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Anleitung14.09.2026 4 Min. Lesezeit

Flacher Boden statt Trichter: Warum unsere Filterkaffees im Orea so glänzen

Seit Kurzem brühen wir unsere Filterkaffees im Orea – einem Handfilter mit flachem Boden. Was der anders macht als ein V60, warum wir ziemlich verliebt sind und wie der Raro Boda darin zu Pfirsich-Eistee wird.

Orea O2 Brewer – Flat-Bottom-Handfilter bei Cycle Roasters

Kleines Geständnis vorweg: Wir haben uns verliebt. In einen Handfilter. Seit ein paar Wochen steht bei uns in der Rösterei der Orea O1 auf dem Brühtisch, und unsere letzten Filterkaffees haben wir alle damit gebrüht. Das Ergebnis war so gut, dass wir ihn jetzt (zusammen mit dem größeren O2) auch in den Shop genommen haben. Hier ist, warum.

Orea O1 Brewer in Clear – Handfilter mit flachem Boden
Der Orea O1 in Clear – ein Stück Tritan, keine beweglichen Teile, 52 Gramm.

Trichter oder flacher Boden – was macht das im Geschmack?

Die meisten Handfilter sind Trichter: V60, Origami und Co. Der Kaffee sammelt sich unten in einer Spitze, das Kaffeebett ist tief, das Wasser läuft in der Mitte am längsten durch und am Rand am kürzesten. Ergebnis: eine sehr klare, säurebetonte Tasse – aber auch eine, bei der Gießtechnik und Mahlgrad viel ausmachen. Ein bisschen zu grob, ein bisschen zu schnell gegossen, und die Tasse ist dünn.

Beim Orea ist der Boden flach. Der Kaffee liegt eben und gleichmäßig hoch, das Wasser hat überall im Bett ungefähr gleich lang Kontakt. Die Extraktion wird gleichmäßiger, die Tasse runder: mehr Süße, mehr Körper, die Säure bleibt, wirkt aber eingebettet. Und der Brüher verzeiht mehr – genau das, was ein Rezept braucht, das nicht nur bei uns am Brühtisch, sondern auch bei euch zu Hause funktionieren soll.

Orea O1 mit eingelegtem Wave-Filter – flaches Kaffeebett
Flacher Boden, Wellenfilter: Der Kaffee liegt eben, das Wasser zieht gleichmäßig durch.

Ein Kaffee, drei Gesichter: der Raro Boda

Am deutlichsten haben wir das beim Raro Boda Filterkaffee aus Guji gemerkt – dem ersten Kaffee, für den wir das Rezept direkt im Orea entwickelt haben. Gleiche Bohne, gleicher Mahlgrad, gleiches Verhältnis von 15 g auf 200 g Wasser (1:13,3) – drei Brüher, drei Tassen:

  • V60: säurebetont, floral, zitrisch. Der Jasmin steht vorn.
  • Flat Bottom (Orea): deutlich süßer und runder. Erinnert uns an Pfirsich-Eistee.
  • AeroPress: die Honig- und Netzmelone kommt am stärksten durch.

Keine der drei Tassen ist falsch. Aber die Orea-Version ist die, die wir Freunden hinstellen, die Specialty Coffee noch nicht kennen. Weil sie einfach schmeckt, ohne dass man erklären muss, warum.

Raro Boda Filterkaffee von Cycle Roasters
Raro Boda aus Guji, Äthiopien – im Orea: Pfirsich-Eistee.

Warum Orea?

Flachboden-Brüher gibt es viele. Orea ist eine kleine Werkstatt aus East London, die seit 2020 nichts anderes macht – und deren Brüher inzwischen bei Brewers-Cup-Weltmeisterschaften ganz vorne stehen. Uns hat aber etwas anderes überzeugt: Der O1 ist ein einziges Stück glasklares Tritan, keine beweglichen Teile, 52 Gramm. Er passt auf jede Tasse, in jeden Rucksack, und er brüht in unter drei Minuten eine Tasse, die wir genauso im Café servieren würden.

Der O1 ist für eine Tasse gebaut: 10 bis 18 Gramm Kaffee, 160 bis 300 ml. Der O2 ist derselbe Brüher mit mehr Platz – 12 bis 28 Gramm, bis 460 ml, also für zwei. Beide laufen mit ganz normalen Wave-Filtern: 155 für den O1, 185 für den O2.

Orea O1 Brewer in Smoke
O1 in Smoke – für eine Tasse.
Orea O2 Brewer in Black
O2 in Black – für zwei.

So brühen wir im Orea

Unser Startpunkt für helle Filterkaffees im O1. Die genauen Zahlen je Sorte stehen auf der Rezepteseite – überall, wo „Flat Bottom“ steht, ist genau dieser Brüher gemeint.

  1. Wave-Filter einlegen und mit heißem Wasser spülen. Das nimmt den Papiergeschmack und wärmt den Brüher vor.
  2. 15 g mittelfein mahlen – etwas gröber als für den V60, weil das flache Bett das Wasser ohnehin länger hält.
  3. Bloom mit 30 bis 45 g Wasser, 30 bis 40 Sekunden warten.
  4. In zwei bis drei ruhigen Güssen bis 240 g aufgießen. Im Orea braucht es weniger Kreisen als im Trichter – mittig gießen reicht meist.
  5. Zielzeit 2:30 bis 3:00. Zu schnell durch? Feiner mahlen. Zu langsam? Gröber. Immer nur eine Sache auf einmal ändern.
Orea O2 mit Wave-Filter beim Brühen
Zwei bis drei ruhige Güsse, mittig – mehr braucht es im Orea nicht.

Einen Tipp noch zum Wasser: Kaffee ist zu über 98 Prozent Wasser, und gerade die Süße, die der flache Boden rausholt, verschwindet schnell, wenn das Wasser zu hart ist. Wie ihr das merkt und was ihr dagegen tun könnt, steht im Wasser-Guide auf der Rezepteseite.

Für wen ist der Orea nichts?

Wer beim Kaffee die knackige, fast teeartige Klarheit sucht und gern an der Gießtechnik schraubt, bleibt vielleicht lieber beim V60 – und das ist völlig okay, unsere V60-Rezepte bleiben. Aber wenn ihr morgens einfach eine süße, runde Tasse wollt, die auch am Montag um sieben gelingt, dann ist das hier euer Brüher.

Und wenn ihr im Café in der Fleischhauerstraße vorbeikommt: Fragt nach dem Raro Boda aus dem Orea. Dann wisst ihr, wovon wir reden.

Lust, das selbst zu probieren?

Frisch gerösteter Specialty Coffee aus Lübeck, Versand fünfmal die Woche, versandkostenfrei ab 50 €.

Zum Kaffee
Philip & Sergey, Cycle Roasters
Philip & Sergey, Cycle Roasters

Wir rösten seit Ende 2020 in Lübeck, über 60 Tonnen im Jahr. Alles hier im Blog haben wir selbst ausprobiert – an unseren Maschinen, mit unserem Kaffee.